Inspiration gesucht: Café La Fontaine de Belleville

Ich muss offen gestehen: Ich habe ein Tief. Das geben ja die meisten Leute nicht offen zu, viel zu schnell werden stille, leere Phasen mit „Scheitern“ in Deutschland gleich gesetzt, was in meinen Augen übrigens kein Drama ist. Bloß nichts zugeben, sich in die Karten schauen lassen… Dabei kenne ich wiederum keinen kreativen Kopf, ob in der Werbung, Musikbranche oder der Medienwelt, der ohne so einer Phase wieder in die Höhe geschossen ist. Mut zum Tief, Mut zur Lücke! Bei Sängern scheint es noch mehr akzeptiert, aber in meiner Branche ist es kaum vorzustellen, wenn man mal „off“ ist. Genau das bin ich aber gerade die meiste Zeit – ich lese viel, schaue mir inspirierende Ausstellungen, Filme und Magazine an, halte mich von Instagram fern… Um wieder neuen Input zu bekommen. Letzteres empfand ich in letzter Zeit nicht nur nervig, sondern gar giftig, vor allem aber wenig inspirierend. User, die fremde Bilder posten und sie im Feed als ihr eigenes Gut verkaufen, idealisierte Urlaube und aalglatte Accounts, die mich fühlen lassen wie ein Reibeisen, das niemals „da“ reinpassen wird. Ich berichtete bereits sachte, aber es gipfelte noch mal letzte Woche mit meiner Spontanreise, als ich mit meiner Mama über die einsamen, fast langweiligen dänischen Straßen fuhr und mir die Social Media Welt so irrsinnig und falsch vorkam. Dass sie das nicht immer ist weiß ich auch, aber ich hab jetzt erst so richtig verstanden, dass ich selbst entscheide, was ich sehe und ich niemandem aus Nettigkeit folgen muss. Keiner Kollegin, keiner Freundin, keiner Marke. Instagram ist, so weit weg betrachtet, auf den einsamen Straßen zwischen Aarhus und Kopenhagen, ein irrwitziges Medium. Vorbei an den Feldern, Kühen, Schafen – die Zeit wirkt wie stehen geblieben, als ob es nur die Landstriche, Tiere und Windräder gäbe.

Viel zu viel wurde schon über Instagram gesprochen – oder eben viel zu wenig. Falsche Körperbilder, Vergleich, Kämpfe um Zahlen wie Follower, Views und Reichweite. Ich muss(te) mich einmal entsagen, im Kopf entleeren, damit ich bei diesem Karussell wieder mitfahren kann. In meinem Tempo. Die Fahrkarte habe ich allerdings noch nicht gelöst und je länger ich weg bleibe, desto weniger fühle ich mich verpflichtet.

Reisen ist mir im letzten Jahr noch wichtiger geworden. Reisen und Familie und am liebsten das Reisen mit Familie. Oder Freunden. Handy in der Tasche lassen, aufsaugen, im Kopf mitnehmen. Vielleicht macht man Fotos, vielleicht vergisst man es aber auch vor lauter Schönheit und vor lauter Momente, die stärker sind als 14KB Speicherplatz. Ich habe diese Momente in den letzten Jahren wenig zugelassen und fast schon reflexartig die Kamera bzw. das Handy gezückt, wenn es etwas Schönes zu sehen gab. Es verschmilzt in meinem Leben Job mit Privatem und das ist ganz oft okay und ganz oft einfach nicht. Eine Linie ziehen. Für mich. Bis dahin und nicht weiter, sonst dreht sich im Kopf das Insta-Rad endlos weiter… Ein Phänomen, das viele kennen, die sich viel in den sozialen Medien aufhalten. Dann bin ich aber irgendwann so müde und erschöpft, dass ich nicht schreiben kann und das Schreiben ist mir doch immer das Liebste gewesen. Schreiben, erzählen, mitteilen, empfehlen – ich habe es schon als Kind geliebt. Übersprudeln an Ideen, überschäumen an schönen Dingen. Mitteilen, aufschreiben.

Und plötzlich schießt es ein, wie ein Ischiasschmerz vom Rücken bis in die untere Wade. Eine Textblockade, eine Unlust, eine Müdigkeit, die ich so nicht kannte. Da ist es das Tief, von dem ich sprach und ich habe es akzeptiert. Nach sechs Jahren Dauer-Content brauche ich mehr Pausen als je zuvor, mehr Ruhe, mehr Urlaub und weniger Druck. Zulassen, annehmen – war erst gar nicht so leicht. Und jetzt? Werde ich es noch einen Moment aushalten und dann komme ich wieder: Hanna 100! Mit so einer Freude und Lust und Wucht wie ganz am Anfang, wie vor 6 Jahren. Bevor es soweit ist, muss ich mich noch ein bisschen ordnen und mich darauf besinnen, mit dem alles anfing: Tolle Dinge die ich entdecke und zeigen möchte. Das war am Anfang nur Beauty und ist mittlerweile noch so viel mehr. Wie wird meine neue Seite aussehen? Was werde ich alles zeigen? Was möchte ich sein? Was kann ich euch geben?

Gerade suche ich Orte, die mich inspirieren, die mir gut tun. Ich habe aktuell den Luxus, von überall aus arbeiten zu können und gerade in Cafés „fließt“ es oft mehr als im Büro oder Zuhause. Wenn ich die Zeit habe, mache ich das auf Reisen besonders gerne und setze ich mich in hübsche, noch fremde Cafés, beobachte die Leute, trinke Kaffee und schreibe. Klingt romantisch – ist es manchmal auch. Und magisch. Das schafft nicht jeder Ort, aber ein paar davon habe ich schon entdecken dürfen. Manchmal schaffe ich es auch nur E-Mails, Kommentare und Fragen auf Instagram zu beantworten ehe zwei Stunden um sind und ich freue mich immer, wenn mich die Muse küsst und ich noch mehr schaffe. Dann purzeln mir quasi die Worte aus den Fingern, gar so, als ob es von selbst passiert. Und das wiederum passiert meistens in Paris, einer Stadt, die mir schon so oft geholfen hat wieder Inspiration zu finden, Ideen zu geben und Atmen zu holen, wenn der Brustkorb ganz eng schien. Ich hoffe, dass ich dieses Jahr noch ein oder zwei Mal hinreisen kann – alleine oder mit meinem Freund (der immer noch nicht da war). Und vielleicht gelingt es mir auch dort eines Tages, bei einer solchen privaten Reise das Handy in der Tasche zu lassen und einfach nur zu genießen, was die Stadt mir schenkt…

 

Danke an Yelda an dieser Stelle, dass sie mir dieses wunderschöne Café in Paris gezeigt hat, dass ich ohne sie niemals gesucht und entdeckt hätte. Ein besonderer Ort!

 

 

 

Café Tipp zum „aus dem Alltag entfliehen“,
zum Auftanken, Inspirieren und für guten Kaffee 
in meiner Lieblings-Stadt Paris:

La Fontaine de Belleville
31-33 Rue Juliette Dodu,
75010  Paris, France
MON – SUN: 7.30 – 2 Uhr

 

Fotos: Yelda Yilmaz

 

 

Kleid: Claudie Pierlot
Sneakers: Superga
Sonnenbrille: &otherstories
Ohrringe: Otiumberg
Ring: Missoma
Tasche: Agneel

 

11 Comments

  • Antworten September 4, 2018

    Marie

    Hanna, dein Blog ist der einzige Beauty Blog, den ich immer gut aushalte! Eben, weil du so reflektiert bist.
    Auch wenn wir uns nicht kennen, bitte pass gut auf Dich auf!
    LG
    Marie

  • Antworten September 5, 2018

    Sonja

    Liebe Hanna, danke für diesen ehrlichen Blick hinter die Fassade. Ich wünsche Dir weiter viel Freude und Inspiration, wo auch immer Du sie finden möchtest. Es ist schön zu erfahren, dass ich nicht allein es irrsinnig finde, sein Leben nur noch über den Bildschirm eines Smartphones zu betrachten und es damit selbst klein zu machen.

    Liebe Grüße nach Paris!
    Sonja

  • Antworten September 5, 2018

    Sophie

    Danke für diesen ehrlichen tollen Artikel. Ich habe ihn sehr gern gelesen.
    Ich persönlich kann mit Instagram wohl nicht soviel anfangen, ich hab zweimal was gepostet-fand dann aber irgendwie dass das nicht meine Welt ist…
    Echt bleiben, man selbst sein und sich selbst liebhaben ohne immer gleich zu vergleichen- wird immer wichtiger.
    Deshalb – genieß Paris…
    Und auf Bald….

    Lg Sophie

  • Antworten September 5, 2018

    Ava

    Liebe Hanna,
    ich kann das so gut verstehen…. irgendwann muss man sich bei all der Überflutung nur noch ausgebrannt und leer fühlen.
    Zumindest, wenn man etwas sensibler ist und die eigenen Filter die Umwelt und das Überflüssige nicht so gut ausblenden können, wie man es bräuchte.

    Es geht mir genau wie dir, allerdings benutze ich noch nicht mal Instagram und den anderen oberflächlichen Mist.
    Mir reicht einfach schon nur, wenn ich die Zombies sehe, die bei wirklich jeder Gelegenheit – auf ihr Smartphone starren.
    Das alles macht mich mittlerweile echt wütend, dass ich das Gefühl habe, ich müsste die dann umrennen, weil sie einem ständig blind vor die Füße taumeln. Manchmal mache ich das auch. Das beste ist, sie merken es gar nicht.

    Und Menschen im Café können sowieso nichts anderen als auf ihr blödes Telefon zu starren und stupide darauf herumwischen.

    Bilder von all diesen Aktivitäten kotzen mich dann sowas von an. Jedes noch so schwachsinnige Milchschaummuster zu posten und zu denken, es würde irgendwen interessieren.

    Wann bitte hört das alles wieder auf?

    Niemand nimmt mehr irgendetwas wahr. Vor allem aber nicht sich selbst – zumindest nicht in dem Maße, in dem es gesund wäre.

    Und ehrlich, selbst erholsam am See sitzen, ist ein Smartphone Marathon. Mein Hund, ja, zugegeben, der extrem Süße, wird ständig fotografiert und gefilmt. Wozu? Schaut sich das später wirklich nochmal jemand an?

    Manchmal fragt man sich doch bei Bildern sicher, wann man die eigentlich gemacht hat, weil man die Situation gar nicht erlebt hat, sondern nur durchs Smartphone betrachtet.

    Schade ist das alles.
    Ich hoffe, du findest genügend Abstand. Schwer in dem Job, aber – es ist NUR ein Job. Den sollte man immer lassen, wenn er einen kaputtmacht.

    LG Ava

  • Antworten September 5, 2018

    Esra

    Liebe Hanna, danke für die ehrlichen Worte, ich konnte deine Situation und dieses „Tief“ nur nachempfinden. Im August hatte ich so gar keine Motivation und wollte nur noch vor allem wegrennen! Und wenn man sich nicht inspiriert fühlt und auch nicht unbedingt vor lauter Ideen sprudelt, dann ist es wirklich sehr zäh etwas zu produzieren…
    Die Bilder sehen so schön aus, das Kleid ist zu schön!

    Liebe Grüße, Esra
    https://lovelylines.de/

  • Antworten September 5, 2018

    Sabine köpfer

    Liebe Hanna,
    Oh was für ein wunderbarer ehrlicher Artikel!
    Es geht mir wirklich ähnlich…diese verlogene Instagram Welt ..obwohl ich mich immer selber dabei erwische,ich müsste mal reinschauen..warum? Süchtig? Werde auch versuchen mich nicht mehr soviel damit zu beschäftigen….
    Es gibt einfach wichtigere ,schönere Dinge in DIESEM Leben!
    Wie du weißt bin ich GROßER Fan von dir und werde es auch bleiben,weil du einer der wenigen bist die auch wichtige Sachen zu sagen haben.Bleib wie du bist ,aber pass auch auf dich auf!
    Leb das Leben
    Sabine

  • Antworten September 5, 2018

    Nora

    Liebe Hanna,

    du bist so mutig deine Schwächen zu teilen, das mag für manche vielleicht lächerlich wirken, aber ich weiß selbst wie schwer das ist mal zuzugeben „es läuft gerade nicht“, weil bei allen anderen scheint es ja fantastisch zu laufen – dank Instagram und Co. ist man ja immer „im Bilde“. Dein Blog ist wirklich der Einzige, den ich noch lese, der sich durchgesetzt hat in all den Jahren voller Content, einfach weil du ehrlich und 100% du bist. Danke dafür!

  • Antworten September 6, 2018

    Steffi

    Liebe Hanna, du bist ehrlich und authentisch und somit sehr besonders und wunderbar.
    Ich bin damals zufällig auf deinen Vichy Blog gestoßen und bei dir gelandet. Du hast mich aus meinem Pflege/Beautytief (nach Schwangerschaftsakne und Schreikind) geholt und so sehr inspiriert, DANKE!!!
    Meine Haut ist nicht perfekt aber so viel besser und das wichtigste, Pflege macht mir wieder Spaß und ich mag mich wieder.
    Nimm dir die Zeit die du brauchst!
    Liebe Grüße Steffi

  • Antworten September 6, 2018

    vivien_noir

    Deine Reise nach Dänemark hört sich – ganz ehrlich – für mich schöner an als die „traumhaftesten“ Südsee-Sandstrand-Inselbilder! Da klingt sehr viel Ruhe raus. Beim Lesen ist mir genau das aufgefallen: ich folge deinem Blog und kommentiere deshalb so anhaltend, viel, lang und treu, weil du als eine der ganz, ganz wenigen Ruhe verbreiten kannst. Gerade in einer Branche, die mir häufig vorkommt wie ein großer Raum voller aufgeregter, hell und laut durcheinanderrufender Menschen, schaffst du es, mit gesenkter Stimme über die selben Themen zu sprechen, und durch deine durchdachten Äußerungen gehört zu werden. Deinen Blog zu lesen, ist meine Pausenzeit im Alltag, denn dabei entsteht bei mir oft innerlich eine entspannte Ruhe, anstatt – wie bei anderen Bloggern, die manchmal eher Marktschreier zu sein scheinen – aufgeregt, kribbelig, „excited“ zu werden. Deshalb neige ich mich in diesem großen Raum voller Menschen innerlich genau dir zu, um dich besser zu hören, anstatt aus der Ferne zu den anderen, laut Rufenden, zu blicken.

    Deshalb freue ich mich auch, und das mag vielleicht paradox klingen, über Nicht-Content. Denn auch das ist Ruhe – einmal am Blog wie bei einer Nachbarin vorbeizukommen und zu sehen, dass „nichts“ passiert ist. Im Leben passiert nicht immer viel und nicht immer ist das, was passiert, herzeigbar. Hanna, dein Blog ist mein Nordsee-Urlaub, wenn alle anderen nach Italien fahren. Und dafür schätze ich dich über alle Maßen, und freue mich innerlich a-u-c-h über jede Pause, jedes Tief, und auch jedes „och, das war jetzt mal nix“. Nicht aus Schadenfreude, keineswegs! Sondern weil’s einfach so menschlich ist, weil’s hier in deinem Blog-Wohnzimmer so menschlich ist, und das tut uns allen sehr, sehr gut. Danke!

  • Antworten September 7, 2018

    Teresa

    Liebe Hanna, ich habe vor kurzem auch Digital Detox gemacht und bei Instagram über 100 Accounts gelöscht, die mich nicht glücklich machen. Deinem folge ich aber weiterhin gerne, weil ich deine Ehrlichkeit sehr schätze :)!
    Und an dieser Stelle ein großes Dankeschön an die Inspiration, die du mir gegeben hast. Denn ohne dich hätte ich Missoma, das tolle Peelinggel von Bioderma und vieles mehr nicht so schnell kennen gelernt :). Also danke und mach weiter so! Und das Café in Paris habe ich mir für den nächsten Paris-Besuch sofort in meine Kladde geschrieben. Danke auch dafür :)
    Teresa

  • Antworten September 11, 2018

    Anna

    Danke für den ehrlichen Artikel und dafür, dass es eben kein Einheitsbrei hier ist. Sondern authentisch mit allen Höhen und Tiefen. Das zahlt sich aus!

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