Ein offener Brief an Anna Eube

Sehr geehrte Frau Eube,

ich bin gerade etwas sprachlos und kennt man mich, weiß man, das kommt nicht besonders oft vor. Ich habe gerade Ihren Online-Artikel „Ist das nicht zu viel Vagina-Content bei Youtube und Instagram?“ bei Iconist gelesen.

Es gibt Frauen, die sind offenherziger und Frauen, die genieren sich selbst das Wort „Vagina“ zu sagen. Genau hier liegt aber auch schon der erste Knackpunkt, denn, so meine Erfahrung: Manche Frauen brauchen die Gemeinschaft und den Zuspruch von anderen Frauen um offen über ihren Körper, ihre Sexualität und intime Probleme sprechen zu können. Und wenn es nicht mal sprechen ist, dann ist es das eigene stille Empfinden sich selbst gegenüber.

Um ehrlich zu sein: Das meiste Wissen, was ich über dieses Thema gelernt habe, habe ich von meiner Frauenärztin und aus vielen Gesprächen mit anderen Frauen. Wie wichtig Erfahrungen und Offenheit mit all den vaginalen und gesundheitlichen Themen ist, muss ich Ihnen hier doch nicht erläutern, oder? Ich genieße es zumindest sehr, dass die Vagina längst nicht mehr nur in dubiosen Internetforen besprochen wird, wo leider viel gefährliches Halbwissen und Panikmacherei verbreitet wird. Warum also nicht offen drüber schreiben und reden? Über Krankheiten, Lust, Ängste und die eigene Scham, die uns ja auch ein Stück weit immer schützt. Niemand hält seine Genitalien in die Kamera (außer Pornodarsteller) und ich habe noch nie Content von Publizisten (Bloggern, Influencern, Redakteuren, Journalisten, …) gesehen, bei dem Frauen wirklich die Grenze überschritten haben. Da könnte ich noch verstehen, warum sie Ihren Text formuliert haben, so empfinde ich diesen aber nur als gehässig (siehe Beispiel mit Alexa von Heyden) und einseitig.

Das beste Beispiel dazu ist das Video, dass Sie auch in Ihrem Artikel verlinkt haben. Ich kann mir nicht erklären, wie man Mitte 2017 ein Problem damit haben kann. In dem Video sieht man nichts, also keine Vagina direkt, sondern nur die Reaktionen der Partner bzw. deren Frauen. Schön hätte ich es noch gefunden, wenn ein Lesben-Paar mit dabei gewesen wäre, aber ich mag nur erahnen, welche Auswirkungen das auf Ihren ohnehin total verkrampften Artikel gehabt hätte…

Eine Szene in dem Video rührt mich zu Tränen: Eine Frau sieht das Foto ihrer Vagina, fängt an zu weinen zu sagt: „Ich fühle mich beschämt und weiß nicht warum.“ Genau hier möchte ich einhaken und Sie fragen: Wenn diese Frau sich mit ihrem eigenen Körper schon vor sich schämt, warum zeigen Sie dann Fremdscham vor diesem Video? Ja, weibliche Anatomie findet längst nicht nur in Pornos statt (ich zierte Sie hier an dieser Stelle), denn: Sie war und ist immer da! Jeden Tag, jede Sekunde. Sie gehört zu uns Frauen, wie auch meine Gliedmaßen, mein Mund und meine Augen zu mir gehören. Und genau das ist der Grund, warum ich es begrüße, dass wir weiter darüber sprechen.

 

 

Im Artikel heißt es in der Headline: Es gibt zu viel Vagina-Content. Aber warum? Jedes Thema kann nerven, ob Baby-Boom oder belanglose Trends, die von Magazinen durch gelutscht werden. Klar, auch dieses Thema kann, schlecht recherchiert und unsensibel aufgegriffen etwas sein, das schnell so wirken kann, als ob man auch was dazu sagen MUSS. Sie wissen schon: Stichwort Hype. In diesem Sinne wäre es ja: Alle sagen gerade was zu Vaginas, also schreiben auch Refinery29 & Co. (ich bleibe hier bei den von Ihnen genannten Quellen) darüber. Ich sehe das viel mehr so: Es entsteht gerade eine neue Freiheit, die es so in der Geschichte noch nicht gab. Es ist die Kraft einer Frauen-Revolution, eine neue Art des Feminismus, der absolut wichtig ist und leider nicht in allen Teilen der Erde stattfinden kann und darf. Hier DARF das aber alles statt finden und Frauen kosten dieses Recht aus, schließen sich zusammen und sprechen offen über ihren Körper. Schamgefühl bzw. der angesprochene Fremdscham ist hier in meinen Augen absolut unangebracht, gehen Frauen doch sehr verantwortungsvoll mit dem Content um.

Zitat: „Man findet die Vagina aber auch da, wo man es nicht erwartet, erst kürzlich zum Beispiel bei der Modebloggerin Camille Charrière. In den Videos ihrer Instagram Story berichtete sie ausführlich von ihrer Blasenentzündung. Manchmal vergisst man ja selbst als reflektierter Instagram-Konsument, dass die Menschen hinter den perfekt komponierten Bildern und Videos auch ganz durchschnittliche Probleme haben. Eine kleine Erinnerung daran kann also nicht schaden. Aber muss es denn gleich eine brennende Harnröhre sein, hätte es nicht auch der Schnappschuss eines unaufgeräumten Kleiderschranks getan? Einfach irgendwas, das nicht ungefragt die „Will ich das von dieser Person überhaupt wissen“-Grenzen der anderen, der Zuschauer und Fans überschreitet?“

Ich verstehe nicht ganz. Frage Nummer eins: Sie wollen also Authentizität auf Instagram, aber bitte nicht zu authentisch? Warum befremdet Sie es so sehr, wenn jemand über eine Blasenentzündung spricht? Das führt mich zu Frage Nummer zwei: Warum denken Sie sofort an eine VAGINA, wenn jemand von einer Blasenentzündung spricht? Ohne jetzt zu tief gehen zu wollen, aber ist ist für Sie auch befremdlich, wenn eine Journalistin was zum Thema Schamlippen-Korrektur schreibt (gesehen in einer Myself-Ausgabe) und fanden Sie es auch so unpassend, als Kate Winslet über ihre Inkontinenz-Probleme vor laufender Kamera sprach? Ist ihr Aufhänger „Ist das nicht zu viel Vagina-Content bei Youtube und Instagram?“ vielleicht einfach nur Ihre Frage an die Kanalisierung (Blog, Social Media, Magazine, Zeitungen) und in weitere Folge ein Missverstehen dieser Kanäle?

Diese Themen sind mutig und verdammt wichtig. Gerade neulich sprach ich mit einer Freundin, eine junge Mutter von zwei Kindern, über dieses Thema und sie sagte, voller Selbstbewusstsein: „Ich kann nicht zum Yoga. Ich habe Angst, dass ich es nicht halten kann.“ Leider können das viele (junge) Frauen nicht so betiteln und aussprechen, viele klemmen sich dann hinter den Computer und googeln, landen in den oben angesprochenen Foren mit hysterischen Frauen und Mädchen, die immer noch glauben, dass sie im Schwimmbad schwanger werden können. Man sucht eine andere Quelle, man sucht ehrliche Worte, Rat und Frauen, denen man vertrauen kann. Ich spreche hier von intellektuellen Frauen, die auch zu solchen Themen Texte auf Augenhöhe suchen oder vielleicht auch mal in 60 Sekunden zum Orgasmus kommen möchten (Ankerpunkt zu Ihrem Artikel). Ist das verwerflich?

In meinem Girl’s Talk werde ich dieses Jahr genau darüber sprechen, ich merke, wie viel Redebedarf die Frauen hier haben. Es ist wunderbar über Themen zu schreiben, die als (kleines oder großes) Tabu gelten und es ist wunderbar zu sehen, was es auslöst. Reaktionen wie „ich fühle mich nicht mehr alleine“ oder „für mich ist das gar kein Tabu“ machen mich stolz und erden mich ganz Fest als Frau mit all den anderen Frauen da draußen. Ich finde es nicht korrekt zu sagen, dass so ein Content nervt oder „zu viel ist“. Was ist zu viel, was zu wenig? Meiner Meinung nach kann es gar nicht genug guten Content von Frauen für Frauen und gebe und ich wünschte, dass es für alle Frauen der Welt zugänglich wäre.

Mich irritiert, dass Sie das Video von Hatice Schmidt in Ihrem Post mit aufgreifen. Ich zähle eins und eins zusammen: Sie stören sich also nicht nur an dem genannten „Vagina-Content“, sondern an allem, was unterhalb des Bauchnabels statt findet. Ich kenne Hatice persönlich und liebe es, dass sie nicht so ist wie alle anderen. Hatice ist ehrlich und direkt – auch privat. Sie spricht offen über ihr Problem und wird, wie in ihrem Video, nicht rot, wenn sie das Wort „Durchfall“ sagt. Bewundernswert, selbst ich hätte Probleme darüber zu sprechen. Und wissen sie warum? Weil man ein Gesicht behalten will und weil unsere Gesellschaft leider so gestrickt ist. Dagegen möchte ich mich aber wehren und zähle solche Videos, gerade von einer jungen Türkin, zu wichtigen Kontroversen, die mir oft in der Fashion- und Beautybloggerwelt fehlen. Diese wird doch, übrigens auch von Ihnen (siehe andere Artikel für Icon) immer wieder für die Oberflächlichkeit kritisiert und ins Lächerliche gezogen. Die vorgespielte heile Welt – tja, kann ich voll verstehen, weil die mich gerade auf Instagram auch nervt. Kein Verständnis hingegen von mir, wenn man mal keine heile Welt vorspielt, wenn es ECHT und ganz lebensnah wird und dann ein Artikel wie der Ihre folgt. Eine wunderschöne Youtuberin, die sonst nur Make-up Tutorials hat, spricht unverblümt darüber, dass sie seit zwei Jahren an Durchfall leidet und wenn Sie sich das Video ganz angesehen hätten, würden Sie auch wissen, dass es eben leider nicht eine „klassische Glutenunverträglichkeit“ ist. Viele Leser fanden es befremdlich, aber noch viel mehr Leser fanden sich in der Geschichte wieder.

Und jetzt wird es kurz schmerzhaft für Sie: Genau so wie Sie diese Frauen, per Link, Bild-Integrierung und Namen, an den Pranger stellen, stelle ich Sie heute vor meine Leserschaft. Man glaubt ja immer, Sexismus unter Frauen gibt es in Deutschland kaum, aber weit gefehlt. Wann werden es denn alle verstehen, dass wir zusammen halten müssen? Dass wir sprechen, diskutieren, schreien und sogar demonstieren müssen? In Form von Worten, Taten, Blogpost und Zeitungsartikeln – alle fairen Mittel sind erlaubt. Madeleine Albright sagte mal „There is a sepcial place in hell for women who don’t help other woman“. Frau Eube, Sie kritisieren diese mutigen Frauen da draußen und genau an dieser Stelle muss ich sie fragen: Welchen Teil tragen Sie, als Redakteurin eines öffentlichen Mediums, dazu bei, dass Frauen vielleicht irgendwann gleichstellt sind? Mrs. Albright sagte übrigens auch: „We should use our opinions to start discussions, not to end them.“ Think about it.

Bei einer Sache muss ich Ihnen Recht geben: Ich möchte auch niemanden sehen, der bei Snapchat & Co. auf der Toilette sitzt und es gibt viele Leute im Netz, die exhibitionistische Züge haben. Aber auch das gab es immer, egal ob bei Männern oder Frauen, und findet im Internet seit Jahren eine neue Plattform, eine neue Dimension. Das hat aber bei aller Liebe nichts mit dem „Vagina-Content“ (ich zitiere wieder) zu tun und ist einfach gelöst: Wegklicken oder Entfolgen. Was nicht gefällt, muss auch nicht konsumiert werden. Herz und Kopf öffnen und drüber stehen, wenn man selbst vielleicht nicht so agieren würde. Am Ende eine Frage, die viel Eigenanalyse zulässt: „Warum stört es mich wirklich so?“

Irgendwo im Text steht: „Die Vagina dürfe kein Tabu mehr sein, findet die Redaktion, und hat damit natürlich Recht. Aber woher die Idee, dass sie es noch immer ist?“ Wegen Texten und Einstellungen wie der Ihrigen, liebe Frau Eube.

Mit freundlichen Grüßen,
Hanna Schumi

 

Pussy Power

© Roya An Miller / Splash Fotos // Headerbild © Rita Lino & Melodie Michelberger

21 Comments

  • Antworten März 3, 2017

    Lisa

    Mein Frauenarzt sagte mal zu mir: „oh, Sie haben eine Luxus-Vagina“ zuerst fand ich das befremdlich, dann dachte ich mir, der sieht 30 davon am Tag, meine muss wohl echt schön sein. Hab dann (mit 30!!) erstmal nachgeschaut – und ja, stimmt!

    Mehr kann man nicht dazu sagen – Schade, dass viele Frauen für sich und andere ihresgleichen Körper keine Liebe übrig haben. Traurige Wesen. Die verstehen aber unter Feminismus auch einen Kurzhaarschnitt.

    • März 6, 2017

      hanne

      „Die verstehen unter Feminismus einen Kurzhaarschnitt“. Da fällt mir was zu ein:
      Ich bin mit einer Mutter mit Kurzhaarschnitt aufgewachsen, als das Haar grau wurde, blieb es so. Da war sie Anfang 40 und ich ein Teenager. Die Beine hat sie sich nicht rasiert. In meiner gesamten Kindheit und Jugend habe ich fiese Bemerkungen über meine Mutter gehört. Mal hinter meinem Rücken, mal direkt zu mir oder auch ihr ins Gesicht.
      Unweiblich. Alt. Mannsweib. Häßlich. Stillos. Ja, Emanze und Hexe waren auch dabei. Und ehrlich gesagt reden auch moderne. junge Frauen bis heute so.

      Neulich sagte eine Freundin über eine von ihr nicht gemochte Kollegin: „Sie ist frustriert, weil sie mit ihrem Kurzhaarschnitt für ein Mann gehalten wird und seit Jahren nicht gebumst wurde“. Das meinte sie Ernst. Frauen über Frauen im Jahr 2017.

  • Antworten März 3, 2017

    vivien_noir

    Das ist sehr gut und besonnen formuliert, vielen Dank! Mich hat dieser konfuse Artikel heute auch sehr befremdet. Obgleich ich schon von Anfang an dank zwar konservativer, aber auch dahingehend sehr offenen und direkten Eltern meinen Körper gut kenne, musste ich feststellen, dass das heute immer noch nicht die Norm zu sein scheint! Besonders die kurzhaarige Frau mit dem grünen Tanktop im obigen Video hat mich so gerührt – und gleichzeitig habe ich mich gefragt, ob es wohl eher üblich ist, sich von seiner Vagina und allem, was anscheinend zu einem „Ekel-Areal“ erklärt wurde, zu entfremden. Schon allein die großen, unsicheren Fragen zur Verwendung von Menstruationstassen haben mir gezeigt, wie wenig sich Frauen mit ihrem Körper – abseits von oberflächlichem Styling – auseinanderzusetzen scheinen. Ja, haben die noch nie mit einem Spiegel genauer hingeschaut? Waren die noch nie neugierig auf sich selbst?
    Meine Mutter erzählte mir einmal folgende Begebenheit: mein Vater und sie waren bei einem befreundeten Fotografen-Paar eingeladen. Im Eingangsbereich hing ein großes, quadratisches Bild, das zartrosa war und aussah, wie die Nahaufnahme einer Blüte. Als meine Mutter wissen wollte, ob es eine exotische Blume sei, und welche Reise mit diesem Bild wohl verbunden gewesen sei, bekam sie zur Antwort, dass es die Vagina der Hausherrin sei. Einerseits finde ich es zwar extrem – andererseits: der unwissende Betrachter sieht hier tatsächlich etwas, das wie eine Blüte aussieht, und käme nie auf die Idee, es mit etwas sexuell konnotiertem zu verbinden.

    Ich wünsche allen Frauen, dass sie spätestens durch den aktuellen Diskurs angeregt werden, sich mit ihrem Körper intensiv auseinanderzusetzen, und ihn anzunehmen, wie er ist. Es geht nicht darum, eine Vagina zum „Herzeigen“ zu haben, wenn es doch eines der Organe mit der größten Gefühlsempfindlichkeit ist: Look never beats feeling. Und um’s Feeling für sich selbst sollte es den Frauen am allermeisten gehen.

    Was mich seit langer Zeit stört: für Vagina gibt es so viele wirklich eigenartige, oft doofe, verniedlichende, oder schlicht derbe Begriffe. Warum haben wir es noch immer nicht geschafft, einen nicht-medizinischen, liebevollen Begriff für unsere Vagina zu finden, der sich nicht einfach blöd anhört?

    • März 3, 2017

      Hanna

      Die Sache mit dem Bild, ein ganz wunderbares Beispiel – danke dafür! Und ich gebe Dir Recht: Es muss ein toller Name für „Vagina“ gefunden werden, der nicht albern, niedlich oder notgeil klingt :)

  • Antworten März 3, 2017

    Maya

    Liebe Hanna,

    ich habe heute morgen dazu schon den Post dazu bei theoriginalcopy (http://theoriginalcopy.de/produzieren-wir-zu-viel-vagina-content/) gelesen und war extrem verwundert, dass man 2017 einen Artikel veröffentlicht, wie von Frau Eube verfasst. Und so hatte ich heute schon recht früh, Dank des ICONist, einen WTF Moment. Um so mehr freue ich mich, dass Du und andere sich dem Artikel gegenüber kritisch äußern.
    Mir erschließt sich, genauso wenig wie Dir, was dieser zusammenhangslose Artikel überhaupt soll und wo genau das Problem besteht. Vaginas? Durchfall? Blasenentzündung oder Schwangerschaft und der ehrliche und offen Umgang damit? Dann hätte man vielleicht eine bessere Headline wählen müssen. Denn wie zurecht schreibst: „Sie stören sich also nicht nur an dem genannten „Vagina-Content“, sondern an allem, was unterhalb des Bauchnabels statt findet.“ scheint das Problem auf einen Punkt zu bringen. Und dennoch frage ich mich warum?
    Was genau ist das Problem von Frau Eube?

    Dazu äußert sich der ICONist wie folgt:
    Unsere Autorin hat gewiss keine „bedeutsame soziale Bewegung ins Lächerliche“ gezogen, sondern einen Meinungsartikel verfasst. Dieser vertritt nun mal eine kritische Haltung zum Thema Vagina-Content. Genau das macht einen erfolgreichen Emanzipationsdiskurs aus – über die Dinge zu debattieren, egal, wie blöd man andere Meinungen finden mag. Ist doch super, dass durch den Artikel eine Diskussion entstanden ist! Und dass wir uns vor unseren Perioden bestimmt nicht ekeln, das beweist zum Beispiel folgender Artikel.

    Grundsätzlich sage ich, ja, Meinungsaustausch ist wichtig und muss stattfinden, dann aber doch bitte mit einem roten Faden und konstruktiv. Dieser Artikel ist nichtssagend und völlig sinnbefreit. Mal abgesehen von den schwachsinnigen Kommentaren von zumeist Männern…

    Danke, dass ihr den Artikel nicht unkommentiert stehen lasst und Eure Meinung dazu genauso laut vertretet, wie der ICONist und Frau Eube das meinen tun zu müssen.

    Liebe Grüße
    Maya

  • Antworten März 3, 2017

    Nora

    Liebe Hanna,
    vielen Dank für deinen offenen Brief! Gerade die Beispiele, die in dem Artikel genannt wurde, sind für mich nicht „das Befremdliche“. Wenn ich nichts über den Durchfall anderer Frauen hören will, dann kann ich ja weggucken. Als Konsument steht es mir frei welchem Inhalt ich mich aussetze. Und auch über so Themen MUSS geredet werden, wie du es schön rausgearbeitet hast.
    Persönlich stört mich eher der „weibliche Nackt-Hype“ derzeit. Eine Kim Kardashian, die ein nacktes Selfie als feministisches Werk bezeichnet. Serien (wie z.B. Girls), wo ständig (für mich grundlos) nackt rumgelaufen wird. Aber für andere mag eine nackte Lena Dunham bei jeglicher Gelegenheit nicht sinnlose Nacktheit sein, sondern befreiend. Daher ist es wichtig, dass es gezeigt wird. Ich kann ja einfach abschalten, wenn es mich stört. Dieser Aspekt hat in dem Artikel von Frau Eube für mich gefehlt. Nur weil IHR persönlich zu viel Vagina in den Medien unterwegs ist, heißt es nicht, dass es falsch ist. Für andere Leute ist das sogar sehr wichtig.
    Finde ich toll, dass du deinen Blog für dieses Thema nutzt :) Frauen sollten sich viel mehr unterstützen & nicht der größte Kritiker voneinander sein.

    Liebe Grüße,
    Nora

  • Antworten März 4, 2017

    Sandhya

    Liebe Hanna,

    vielen Dank für diesen Post! Du sprichst genau aus, was meine Gedanken waren, als ich den Artikel von Frau Eube gelesen habe.
    Dein letzter Satz fasst es hervorragend zusammen und zeigt wie unreflektiert dieser ganze „Zu viel Vagina Content“-Artikel im Kern eigentlich ist.

    Danke an dieser Stelle für deinen Mut, den du auf deinem Blog lebst und damit deine Leserinnen täglich inspirierst. Gerade weil du dich so menschlich und eben nicht dauerhaft „istagramable“ zeigst.

    Ich finde den neuen Girl’s Talk großartig. Dein Beitrag zum Thema Körperhaare und die regen Kommentare empfand ich als so befreiend. Endlich mal die Äußerung, außerhalb von Famile und engen Freundinnen, wie verdammt normal der ganze Haarwuchs eigentlich ist.

    Wie Margaret Atwood so schön sagte: „Does feminist mean large unpleasant person who’ll shout at you or someone who believes women are human beings?“
    Ich bin da ganz bei dir – wir Frauen müssen uns gegenseitig den Rücken stärken.

    Sonnige Grüße
    Sandhya

  • Antworten März 4, 2017

    Mari

    Einfach nur: WORD! Danke für diesen Konter-Artikel!

  • Antworten März 4, 2017

    Linda

    Liebe Hanna,
    Das hast du ganz wundervoll geschrieben.
    Vielen vielen Dank!

  • Antworten März 5, 2017

    Swantje

    Ich finde den Text der Frau Eube in Teilen dilettantisch geschrieben und ich kann auch verstehen, dass er etwas konfus scheint, jedoch glaube ich dass es hierbei auch um die völlig außer Kontrolle geratene Selbstdarstellung und Selbstvermarktung geht, die alle Körperstellen einbezieht.
    Ich persönlich vermisse sehr stark Dezenz und Stil. Nur ein Beispiel: Ständig wird einem von überall entgegen gebrüllt, man solle jetzt gefälligst seine Brüste ‚befreien‘. Es wirkt aber in den meisten Fällen etwas lächerlich und krampfig. Kate Moss hingegen hat auch hin und wieder mal den BH weggelassen wirkte aber nie krampfig oder aufdringlich dabei.
    Ich habe gar nichts dagegen, dass Frauen (und Männer) sich unterhalten, worüber sie wollen und im Internet publik machen, wonach ihnen ist. Trotzdem wirken manche eben glaubhafter und manche einfach nur aufdringlich.

  • Antworten März 5, 2017

    Ava

    Danke liebe Hanna für das Aufgreifen eines derzeit sehr heiss diskutieren Themas.
    Ich bin sehr zwiegespalten und möchte versuchen zu beschreiben warum.

    Mir ist als erstes die „Vagina-Woche“ aufgefallen und ich erwarte in logischer Konsequenz nun demnächst die Penis-Woche.
    Bin mir aber fast sicher, dass das nicht passieren wird, da es im weitesten Sinne ja um sogenannten Feminismus geht.

    Das ist dann aber der Punkt, an dem es anfängt, mich zu stören.
    Von mir aus sollen Menschen was auch immer sie wollen, in die Kamera halten. Ich kann wegschalten, ausschalten, whatever.

    Mir lag schon immer fern, wissen zu wollen, wie eine andere Frau unter ihrem Rock aussieht. Das kann jede für sich selbst definieren.

    Und ich musste schmunzeln, als ich mir vorstellte, dass statt der schönen exotischen Blüte ein riesiges BIld mit einem in schwarz-weiss fotografierten Penis an der Wand gehangen hätte.
    Was wäre dann? Hätte sich die Hausherrin dann unterdrückt fühlen müssen von soviel männlicher Präsenz oder wäre es einfach nur ein hübsches Bild geblieben ohne hineinzuinterpretieren?

    Warum möchte man heutzutage Gleichberechtigung mit Einseitigkeit erreichen?

    Geht es -wenn man die Sache zu Ende denkt, nicht nur darum, dass Frauen in ihrer ganzen Erscheinung anerkannt und respektiert werden wollen?
    Und wenn ja, von wem eigentlich?
    Von „der Gesellschaft“?

    Und dann frage ich mich, ist das wirklich der Weg, der zu mehr Gleichberechtigung führt?
    Durch Ausgrenzung?
    Und viele Frauen reden von gleicher Bezahlung, die erreicht werden soll (JA!), aber dazu möchte ich nicht erst durch ein halbes Jahrhundert Vagina-Wochen gehen.
    Die sind dafür nicht zielführend.

    Denn was sind wirklich Gründe, warum es nun plötzlich Vagina-Wochen gibt?
    Und was wird deren Ergebnis sein?

    Führt das nicht wieder zu weiteren sinnlosen Vergleichen, die nun auch vor weiblichen Geschlechtsmerkmalen nicht Halt macht?
    Wird dieses mediale Zerpflücken nicht am Ende wieder nur zur Beurteilung anderer (Frauen) führen?

    Ich meine, schon der erste Kommentar hier ganz oben – „Luxus-Vagina“ – WER definiert, was eine gute und was eine schlechte Vagina sein soll?
    Der Frauenarzt? Denn der hat ja bereits bewertet – nach seinem eigenen Schema – WEIL er mit anderen Frauen verglichen hat.
    Nun fühlt sich die toll, die eine Luxusvagina hat – und wie fühlen sich dann die anderen?
    DIe springen dann auf den Trend-Zug – ALLE sind schön?!

    Ich glaube, das, was am Ende -abseits eines erhofften Befreiungsgefühls- passieren wird, ist, dass der Trend nach verschönerenden Vagina-OPs steil nach oben geht.

    Das ist meine ganz persönliche Meinung, wenn ich mir das mediale Geschehen so betrachte.

    Ich frage mich einfach – WEM nutzt es?
    Und das frage ich mich wirklich.

    Liebe Grüße
    Ava

  • Antworten März 5, 2017

    hanne

    Ich bin erst durch dich auf den Artikel aufmerksam geworden und denke – wie so oft: Warum regen Menschen sich so intensiv über Content im Netz auf, zu deren Lektüre/Konsum keiner sie zwingt? Das betrifft sowohl Anne Eube als auch dich.

    Ich stimme Anna Eube in einigen Punkten zu, in anderen nicht. Ich käme aber nie auf die Idee, daraus ein öffentliches Ding zu machen. Denn dann könnten – mit Berechtigung – viele zu mir sagen: Dich zwingt doch keiner, das anzugucken, vergeude doch nicht deine Freizeit damit! In diesem Fall liegt die Sache natürlich anders. Die Autorin ist angestellte Schreiberin und muss regelmäßig Content liefern, da werden eben auch solche (kleinen) Aufregen zum Thema der Woche stilisiert. Also muss sie auch damit rechnen, dass Gegenwind aufkommt. Und du bist eine Bloggerin, die sich zum Ziel gemacht hat, mehr als nur Konsumthemen zu liefern. Da ist es stimmig, dass du hier deinen Senf dazu gibst.

    Grundsätzlich muss ich sagen, dass ich den im Web propagierten Feminismus von Bloggerinnen/Instagramerinnen oft als scheinheilig und aufgesetzt empfinde. Das „wir Frauen müssen zusammenhalten“ und „wir müssen uns stärken“ kommt mir oft sehr künstlich vor. Unterm Strich bleibt bei mir das Gefühl, es geht den Autorinnen nur darum, einen Trend mitzumachen und sich aufgeschlossen zu zeigen. Aber ich bin wohl, was Blogs betrifft, eh misstrauisch eingestellt. Und das vor allem weil ich einmal durch einen Cateringjob auf einer Veranstaltung für Bloggerinnen gelandet bin und zwangsweise den Tischgesprächen lauschen durfte. Ich fühlte mich wie in einem Teenie-Film, in dem eine Clique von Mädchen über abwesende Klassenkameradinnen lästern. Auch über zwei, die gerade erst aufgebrochen waren. Es wurden deren Blogs zerpflückt, es ging um angeblich schwache Inhalte und die ungenügende Optik der Bloggerinnen. Sehr böse! Neugierig habe ich mir hinterher einige der Blogs oder Instagrams angeschaut. Hashtags und Schlagworte wie „#sharingiscaring“ oder „sisterhood“ waren oft zu finden. Daher muss ich sagen: Ich empfinde den Content vieler Blogs als berechnend.

  • Antworten März 5, 2017

    Rena

    Liebe Hanna,

    für einen doch eher so seichten Artikel, wie ihn Frau Eube verfasst hat, scheint der Konter „There is a special place in hell for women who don’t help other woman“ meiner Meinung nach leider auch nicht angemessen. Vor allem vor dem Hintergrund der Forderung nach mehr Zusammenhalt unter Frauen.

    Deine Ambition, die in Frau Eubes erwähnten Artikel und in der Folge möglicherweise auch viele weiteren Frauen zu schützen/verteidigen ist für mich nachvollziehbar, dennoch habe ich meine Zweifel ob dies mit diesem, wenn auch größtenteils bemüht höflich formulierten, Beitrag gelingt.

    Grüße.

  • Antworten März 6, 2017

    Suse

    Ich finde Emanzipation ist einfach auch etwas mehr als nach freethenipples und vaginavagina zu schreien. Ich empfinde diese Bewegung als doch sehr selektiv, wo nur eine bestimmte Art Frau aktiv ist und akzeptiert wird, wenn es um grlpwr geht. Ich stelle mir nur vor, wenn eine erfolgreiche Jungmanagerin eines kapitalistischen Konzerns dort aktiv sein will. Bevorzugt sind es doch eher Kreative in freiberuflichen Jobs, alternative Influencer mit politisch hoch korrekten Themen als Job, die zum Kreis der auserwählten Aktivistinnen gehören. Also sorry: vornehmlich in Jobs, wo es sehr bequem ist die Moralkeule zu schwingen, weil man geschützt vorm täglichen Corporate Gender bashing eines Großkonzerns ist. Uniformierung überall, auch in euren Denkmustern. Nur weil ich nicht auf Instagram zu jeder erdenklichen Gelegenheit mit meinen Girls knutsche, darüber debattiere ob es richtig ist seine Hupen unverpackt unterm Shirt zu zeigen oder mir ein Bild meiner Vagina an die Wand hänge, heißt es noch lange nicht, dass es einem egal ist. Bin ich deswegen eine schlechtere Frau? Und wo bleibt dann eigentlich der penis Talk? Emanzipation ist für mich, nicht ständig die Minderheitenkarte zu ziehen, auf Augenhöhe zu argumentieren und einfach davon auszugehen, dass das kein Thema sein sollte. Und falls doch seine stimme in der Situation zu erheben. Im Job und privat. Eine Einstellungssache und nicht mit ein paar Schildern zu machen, die man dann ab und zu auf der Straße hochhält.

  • Antworten März 6, 2017

    Ava

    Habe nochmal so darüber nachgedacht, weil ich mich -seit ich das gestern las und antwortete- fragte, worum geht es denen, die vermehrt solche Inhalte posten, wirklich, denn purer Feminismus ist es sicher nicht…

    Nicht nur ganz banal um Aufmerksamkeit?!

    Wenn den Leuten die Themen ausgehen, dann reicht heute ausziehen eben nicht mehr. Dann muss man schon tiefer gehen ;)

    Und viele, die das so sehen und lesen, halten das dann für Feminismus und „man muss doch endlich mal drüber reden- content.
    Ich halte das in den meisten Fällen für Scheinheiligkeit, doch vor allem – für ein lautes Kreischen nach Aufmerksamkeit.

    Auffallen UM JEDEN PREIS. Provozieren. Doch die Frage bleibt – wen und warum?

    All diese Themen sind nicht neu, es gibt und gab abertausende Foren im Internet, die sich mit Durchfall, geschlechtsorganspezifischen Themen und Blasenentzündung beschäftigen.
    Nur gab es darin keine Gesichter. Aber wenn man ehrlich zu sich ist, hat es das auch nicht gebraucht, um trotzdem Hilfe zu finden, wenn sie nötig war.

    Doch finde ich wirklich ECHTE und REALE Solidarität, nur weil jemand ein gleiches Problem zu haben scheint?

    Und welcher Zug wird morgen aus dem medialen Bahnhof fahren, um die Leserschaft zu erorbern?

    Die Beiträge von Hanne, Suse und Rena würde ich so auch unterschreiben.

  • Antworten März 6, 2017

    Neele

    Ich kann dazu einfach nur DANKE sagen liebe Hanna!!! Was für ein mega Text.

    Liebste Grüße

    Neele

  • Antworten März 6, 2017

    Lisa

    PUH.. bei manchen Kommentaren hier denk ich mir jetzt aber doch: LADIES, vielleicht solltet ihr wirklich mal euren BH ausziehn – offensichtlich zwickt es doch irgendwo?

    • März 6, 2017

      Suse

      So ein Kommentar ist doch totaler Käse und nicht sonderlich hilfreich. Werd doch mal konkreter, wenn du schon so einen Locker room talk anfängst und die Altherrenwitz-Schubalde aufziehst. Ist man nicht dafür, kann von Toleranz gegenüber anderen Meinungen nicht mehr die Rede sein. Schade.

    • März 6, 2017

      Ava

      Wie kommst du darauf?
      Vielleicht haben die, die du damit meinst, noch nie einen getragen?
      Bei mir jedenfalls hat es noch nirgends gezwickt.
      Ich habe noch nie ein Rollenmodell gelebt und das, ohne anderen mitzuteilen, dass es auch ihr Ansatz zu sein hat.
      Dazu musste ich mich aber nicht erst entblössen und über meine Innereien berichten. Ich habe es einfach gelebt.
      Einstellung kommt von einem selbst. Sonst bleibt es öberflächlich.

      Vielleicht gibt es tatsächlich Frauen, die eben weiterhin eine andere Meinung haben als das, was gerade Mainstream zu sein scheint?

      Und insgeheim ist das auch Teil von dem, was sich die Fraktion, die nun von „BH ausziehn“ schreibt, von anderen sich selbst gegenüber einfordert.
      Akzeptanz. Mindestens aber, wie Suse schrieb, Toleranz.
      Doch dein Kommentar ist ganz weit weg davon.
      Vielleicht also doch erstmal bei dir selbst mit dem Ausziehen anfangen ;)?

  • Antworten März 6, 2017

    Anna

    Vielen Dank für den Artikel. Du sprichst mir aus der Seele. Mich würde interessieren, ob sich die Gute bei Dir gemeldet hat oder auf Deinen Post in irgendeiner Form reagiert hat?

    • März 7, 2017

      Hanna

      Liebe Anna, nein noch nicht! Ich fände es ja super direkt mit Anna Eube im Austausch zu stehen – Stichwort Diskussion. :)

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